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Projekte

Wiederholt getäuscht? Identifikation, Wirkung und Abwehr plattformübergreifender politischer Desinformation im Alltag von Jugendlichen und Heranwachsenden (WIEGE, BMFTR-gefördert)

mit Dr. Katharina Boland, Prof. Dr. Stefan Dietze, Dr. Dimitar Dimitrov, Prof. Dr. Nayla Fawzi, Julia Strzelczyk, Dr. Christina Viehmann, Prof. Dr. Marc Ziegele und Linda Zimmermann

Viele Jugendliche beziehen politische Informationen heute vor allem aus sozialen Medien. Während diese Plattformen neue Möglichkeiten politischer Teilhabe eröffnen, erleichtern sie zugleich die schnelle und oft plattformübergreifende Verbreitung politischer Desinformation.

Da sich Medienkompetenz, politisches Wissen und Urteilsfähigkeit in dieser frühen Lebensphase noch entwickeln, können wiederholte Kontakte mit irreführenden oder falschen politischen Informationen langfristige Auswirkungen auf das politische Weltbild und das demokratische Verhalten junger Menschen haben. Der Schutz und die Stärkung der Resilienz dieser Zielgruppe gilt daher als zentrale Aufgabe demokratischer Gesellschaften. WIEGE will eine fundierte wissenschaftliche Basis schaffen, um plattformübergreifende politische Desinformation besser zu erkennen, ihre Nutzung und Wirkung zu verstehen und wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen vier zentrale Ziele:

1. Aufbau einer offenen und dauerhaft nutzbaren Datenbasis zu plattformübergreifender politischer Desinformation.

2. Entwicklung und Validierung KI-basierter Verfahren zur automatisierten Erkennung entsprechender Inhalte.

3. Untersuchung, wie wiederholte Desinformation Einstellungen, Vertrauen und das politische Handeln junger Menschen beeinflusst.

4. Entwicklung und praktische Umsetzung zielgruppenspezifischer Maßnahmen, die die Widerstandskraft gegenüber Falschinformationen stärken.

Das Projekt verbindet sozialwissenschaftliche, informatische und pädagogische Perspektiven. Innerhalb der HHU sind Prof. Thomas Zerback (Verbundsprecher) auch Prof. Dr. Marc Ziegele (Institut für Sozialwissenschaften) sowie Dr. Katarina Boland und Prof. Stefan Dietze (beide Institut für Informatik) beteiligt. Verbundpartner sind zudem GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, das Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie tech & teach als Praxispartner.

In vier eng verzahnten Arbeitspaketen werden zunächst umfangreiche Daten aus verschiedenen Social-Media-Plattformen gesammelt und annotiert. Auf dieser Grundlage entwickeln wir KI-gestützte Analyseverfahren, die Desinformation plattformübergreifend identifizieren. Mit Hilfe von Experimentalstudien und repräsentativen Befragungen wird zudem ermittelt, wo junge Menschen mit solchen Inhalten in Kontakt kommen, wie sie damit umgehen, welche Wirkung sie entfalten und welche Faktoren ihre Resilienz stärken. Die Ergebnisse werden schließlich in konkrete Bildungs- und Kommunikationsangebote, insbesondere auf schulischer Ebene übersetzt.

Das Projekt läuft von März 2026 bis April 2029.

 

Ursachen, Wahrnehmungen und Wirkungen politischer Meinungsvielfalt aus Rezipient:innenperspektive (SNF-gefördert)

mit Quirin Ryffel M.A.

Digitale Medienlandschaften bieten Bürger:innen Zugang zu einer Vielzahl an Informationsquellen und damit auch zu vielfältigen politischen Meinungen und Sichtweisen. Meinungsvielfalt gilt in Demokratien gemeinhin als hohes und schützenswertes Gut, da man sich davon positive Effekte auf die politische Willensbildung der Bürger:innen erhofft. Das Forschungsprojekt beschäftigt sich im Kontext der Themen ‹Migration› und ‹Klimawandel› mit der Vielfalt von Meinungen und Argumenten, die Bürger:innen zu diesen Themen wahrnehmen («perceived viewpoint diversity exposure»). Insbesondere interessiert die Frage, welche Faktoren auf Mikro- und Makroebene dazu beitragen, dass manche Menschen vielfältigere Meinungen wahrnehmen als andere. Darüber hinaus gehen wir der Frage nach, welche Folgen sich daraus für ihre politischen Vorstellungen, Einstellungen und Verhaltensweisen ergeben. Das Projekt basiert auf einer international vergleichenden (Online-)Panelbefragung in der Schweiz, Spanien und den USA sowie einer Mobile-Experience-Sampling-Studie in den drei Ländern. Das Projekt läuft von April 2022 bis Oktober 2026.

 

Medien und politische Polarisierung

mit Quirin Ryffel M.A., Prof. Dr. Nayla Fawzi und Alina Jakob, M.A.

In vielen Gesellschaften lassen sich seit geraumer Zeit Polarisierungstendenzen feststellen. Diese Spaltungen treten sowohl zwischen Gruppen auf, die sich gegenseitig ablehnen (affektive Polarisierung) als auch in Bezug auf Themen, wie z.B. Klimawandel oder Immigration (thematische Polarisierung). Das Projekt untersucht den Zusammenhang zwischen verschiedenen Formen der politischen Polarisierung und den Einfluss, den die Medien darauf ausüben. Dazu gehen wir erstens der Frage nach, wie Polarisierung durch die Medien vermittelt wird und zweitens, welche Wirkungen diese Darstellungen auf Publikumsseite entfalten. Hier betrachten wir insbesondere auch Effekte auf die wahrgenommene Polarisierung in der Bevölkerung. Grundlage des Projekts ist eine Kombination aus Inhaltsanalyse und einer vierwelligen Panelbefragung in Deutschland.